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Gottesdienst zum Sonntag 13.09.2020

(Orgel: Anne-Sophie Bunk, Texte: Martje Brandt)

Vorpspiel: Prelude funebre von Charles Nicolas Lemmens

Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!

Herzlich willkommen im Gottesdienst zum Sonntag auf der Internetseite der St. Clemens-Kirchengemeinde auf Amrum! Gehen Sie gerne mit ein paar klicks durch diesen Gottesdienst mit hindurch, singen Sie mit, lesen Sie und feiern Sie, dass Jesus Ihnen heute begenen will und Ihnen etwas Gutes tun will. Und an das erinnert, was Ihnen Kraft gibt.

Singen Sie gerne mit – das Lied zum Psalm 146 – EG 303. Den Text finden Sie unter dem Video.

1. Lobe den Herren, o meine Seele! Ich wll ihn loben bis in’ Tod; weil ich noch Stunden auf Erden zähle, will ich lobsingen meinem Gott. Der Leib und Seel gegeben hat, werde gepriesen früh und spät. Hallelujah, Hallelujah.

2. Dieser hat Himmel, Meer und die Erden und, was darinnen ist, gemacht; alles muss pünktlich erfüllet werden, was er uns einmal zugedacht. Er ist’s der Herrscher aller Welt, welcher uns ewig Treue hält. Hallelujah, Hallelujah.

3. Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen des, der so große Wunder tut. Alles, was Odem hat, rufe Amen und bringe Lob mit frohem Mut. Ihr Kinder Gottes, lobt und preist Vater und Sohn und heiligen Geist! Hallelujah, Hallelujah.

 

Biblische Lesung (Lk 19, 1-10): Jesus ging nach Jericho hinein und zog hindurch. Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: “Zachäus steig eilends herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.” Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. Da sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt. Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

IMPULS:  …da sollte ich ganz plötzlich ein Essen auf den Tisch zaubern. “Ich bringe Gäste mit”, sagte mein  Mann, und da steht er auch schon mit ihnen vor der Tür, und ich traue meinen Augen nicht: Diese Gruppe von Menschen sieht gar nicht aus wie die, mit denen mein Mann sonst zusammen ist. Keine Kollegen, oder gar Freunde oder Bekannte, Fremde sind es, die da vor der Tür stehen. Fremde, aber mit einer solchen Selbstverständlichkeit stehen sie da, als wäre es völlig klar und das Natürlichste von der Welt dass sie jetzt hier sind – Es ist als könnte es gar  nicht anders sein und doch spüre ich auch etwas ganz Außer-Gewöhnliches in diesen Augenblick! Oh entschuldigen Sie, liebe Leser/in. Jetzt sind Sie genauso in diese Situation hineingestolpert wie ich neulich. Und Sie wissen ja noch nicht einmal wer ich bin. Also: Mein Haus, das ist das Haus des Oberzöllners Zachäus. Wir wohnen in Jericho, mein Mann leitet hier die Zollstation. Viele der Kolleginnen und Kollegen in diesem Beruf müssen sich ja doch sehr mühen, wenn sie ein einträgliches Auskommen haben wollen, aber mein Mann hat sich hochgearbeitet im Dienst der römischen Besatzungsmacht. Ich stehe zu ihm. (“Hinter einem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau”, so sagt man.) So konnten wir die Station pachten. Und da wir nicht nur selber die Höhe der Zölle festsetzen können (über das hinaus was wir an die Römer abführen müssen, natürlich) sondern jetzt auch Angestellte haben, konnten wir schon richtig was verdienen. Dies hier ist eine sehr einträgliche Station, kreuzen sich doch in Jericho verschiedene Handelswege. Es geht uns also sehr gut – finanziell gesehen – allerdings – es fällt mir etwas schwer, darüber so zu reden – aber was soll`s mit diesem plötzlichen Besuch ist sowieso alles anders geworden: Also wir haben ganz gut verdient, aber der Beruf meines Mannes hatte zur Folge, dass wir gesellschaftlich ziemlich ausgegrenzt waren. Kaum einer wollte etwas mit uns zu tun haben, wir galten als unehrenhaft, “Zöllner und Sünder”, so sagen sie. Man sah uns als Diebe, als Räuber, weil Zöllner oft schon mal mehr Wegezoll oder Warenzoll nehmen als sie eigentlich müssten, das stimmt schon.  Aber das ist ja auch so was wie ein Teufelskreis: man wählt diesen Beruf, weil man keine andere Chance hatte, und dann wird man missachtet weil man diesen Beruf hat, und da rächt man sich schon das eine oder andere mal und nimmt etwas mehr Geld, und das bringt einem natürlich wieder keine Freundschaft, und warum soll man dann nicht wenigstens gut verdienen? Nun ja, so ging es weiter, und mein Mann hat sehr gut verdient! Dass das den anderen Menschen nicht gefallen hat, ja, dass sie sich darüber geärgert haben, dass sie für alles und jedes zahlen sollten und dann auch noch zu viel, und dass sie also mit uns Zöllnerinnen und Zöllnern nichts zu tun haben wollten, das kann ich jetzt verstehen. Jetzt kann ich die Sicht der Anderen begreifen. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen seit jenem gemeinsamen Essen neulich. Jetzt sehe ich mein Leben, unser Zusammenleben, völlig anders.

Aber der Reihe nach, sonst können Sie das ja nicht verstehen.Da stand also diese Gruppe vor meiner Tür, mit meinem Mann und der war ganz außer Atem, total aufgeregt, so kannte ich ihn gar nicht. “Stell dir vor, Jesus will mit uns essen!” Ich brauchte einen Moment, bis ich begriff: Niemand wollte mit uns essen, normalerweise (“Mit denen esse ich doch nicht zu Mittag”, so hieß es). Und Jesus? Ach ja, war das nicht der Wanderprediger, von dem man sagte, dass die Begegnung mit ihm so unendlich wohltuend war? Er soll sogar Kranke gesund machen, Menschen von bösen Umständen befreien… Ach ja, er sollte ja hier in Jericho durchkommen hatte ich gehört. Das hätte mich schon interessiert, aber ich hatte mir abgewöhnt, mich unters Volk zu mischen, man wollte mich ja nicht. Jesus – jetzt hier – vor unserer Tür? Unglaublich! “Jesus will mit uns essen!” Ja? Äh. Ja. Ja natürlich! Plötzlich verstand ich, was ich schon ganz am Anfang gespürt hatte: diese ganz besondere Atmosphäre um diesen Mann, total selbstverständlich und doch ein einzigartiger Moment. Er will mit uns essen. Ja!

Es fiel mir überhaupt nicht schwer, eine Mahlzeit zu bereiten, mein Mann versorgte unsere Gäste mit frischem Wasser zum Waschen nach ihrer Wanderung, und mit Getränken, und gemeinsam brachten wir dann das Essen auf den Tisch. Natürlich blieb ich diesmal in der Nähe, im Raum, und Jesus sagte, ich sollte mich dazu setzen. Ein angenehmer Mensch! Das war ein außergewöhnliches Essen. Gott war hier mit im Raum, das konnte man spüren. Ich war nicht mehr hinausgegangen, unter die anderen, um mich Jesus und Gott zu nähern, aber er hat mich hier im Haus gefunden und ist zu mir gekommen. Ehrlich gesagt, auch mein Mann hat sich nicht getraut, Jesus offen auf der Straße anzusprechen und ihm entgegen zu gehen. Dazu waren wir bei den anderen zu sehr unten durch. Später erzählte er mir, dass Jesus auch ihn gefunden hatte: Auf einem Baum, auf den er geklettert war, um ihn wenigstens aus der Ferne zu sehen. Jesus hat ihn aus dem Abseits mitten in den Mittelpunkt gestellt und sich vor allen Leuten bei uns eingeladen. Mit uns will er essen. Immer noch ein bißchen unglaublich. Und beim Essen ist es nicht geblieben. Jesus und alle, die mit ihm unterwegs waren, hatten viel zu berichten – und ich hatte das Gefühl, als ob jedes Wort für mich gesagt wurde. Durch die selbstverständliche Atmosphäre der Annahme gingen mir meine Ohren auf. Ich hörte den Satz: “Auch du bist ein Sohn Abrahams”, den Jesus zu meinem Mann sagte. Stimmt, dachte ich. Wir gehören ja auch zum jüdischen Volk, das hatte ich fast vergessen. Wir sind ja gar nicht nur die, die mit den Römern gemeinsame Sachen machen! Ich gehöre zum jüdischen Volk, bin auch Tochter Abrahams! Na klar. Wir gehören zu Gott und Gott erinnert uns mit dem Besuch Jesu zum Essen daran. Er schickt uns einen Boten, der ganz klar macht: Ihr könnt noch so ausgegrenzt, in noch so einer schwierigen Lage sein. Zu Gott gehört ihr – Gott suchat und findet euch, Gott hat ein offenes Herz und schließt euch nicht aus. Wie wohltuend ist diese Erkenntnis. Ich glaube ich habe tief durchgeatmet, befreit fühlte ich mich. – Und mein Mann sprach mir aus der Seele, als er Jesus ankündigte, er wolle seinen Besitz mit den Armen teilen, und zurückerstatten, was er zuviel genommen hatte, sogar mehrfach erstatten. Das ist ja nur selbstverständlich, als Kinder Gottes gehören wir in die Gemeinschaft. Da bringt es keinen Spaß mehr, extra viel zu nehmen. Das brauchen wir nicht mehr – lieber dazugehören als besonders gut verdienen.

Es tut gut, sich nicht mehr schämen zu müssen, irgendwo tief drinnen. Es tut gut, sagen zu können: “Ja, ich habe viel falsch gemacht. Es tut mir leid. Ich will es in Zukunft besser machen.” Und Jesus gegenüber war das überhaupt nicht peinlich. Er war so liebevoll, und in seiner Nähe ist klar: Es kann noch so viel falsch laufen, Gott ist da!  Mein Mann konnte vieles erzählen von dem, was falsch gelaufen war bei ihm. Er redete von den Zwängen und der Eigendynamik dieses Zollsystems, und wie er zu schwach war, sich dagegen zu stellen, und wie er immer mehr Lust daran gewann Geld zu bekommen, und wie das Gefühl, Macht über Menschen zu haben ihn die Liebe vergessen ließ. Und er redete von dem Schmerz, den es macht, wenn die Anderen einen meiden, wie weh es tut, ausgegrenzt zu sein! Mein Mann, der immer so stark schien, erzählt von solchen Gefühlen! – Aber Jesus gegenüber war das gar nicht seltsam. Die Atmosphäre des Abends ließ vieles möglich werden. Von den Frauen und Männern die mit ihm gekommen waren erzählte einer, dass er auch Zöllner war, früher, bevor Jesus ihn in ein neues Leben gerufen hatte. Er wusste gut, wovon mein Mann sprach, manches davon hatte er auch erlebt. Und auch er hat ein neues Leben geschafft. Das macht noch mehr Mut. Ich wünschte, dieses Essen wäre nie zu Ende, man fühlte sich so vollkommen richtig, im Einklang mit sich und mit Gott, trotz allem was falsch gelaufen war, früher. Und ich war sicher: wir würden eine neue Art des Zöllner-Seins schaffen, vermutlich würde es nicht leicht sein, denn dass der Alltag etwas anderes ist, als diese besondere Zeit mit Jesus war schon klar, aber wir würden es schaffen. Als Jesus mit seinen Jüngerinnen und Jüngern gegangen war saßen wir noch lange beieinander und redeten und spürten dieser besonderen Zeit nach.  Wir wussten, diese Begegnung würde lebendig bleiben, wir würden uns immer wieder daran erinnern können, und das würde uns jedes Mal wieder neue Kraft geben für unseren Alltag.

Gebet:Gott, der Du die Kleinen siehst und uns immer wieder einlädst: Decke Deinen Tisch der Gemeinschaft für alle. Lass Mauern fallen, die Menschen ausschließen. Hilf, dass Menschen für Menschen da sein dürfen und dass die Geflohenen auf Lesbos an einen Ort kommen dürfen, wo sie sicher sind und leben kommen. Bleibe bei uns und unserem Handeln. Richte unsere Herzen in Deiner Liebe auf Deine Liebe aus.

Wir bitten gemeinsam: Vater unser im Himmel…

Vom 23. März bis zum 09. Mai 2020 erklang zum Trost und inneren Stärkung der christlichen Gemeinde jeden Abend auf Amrum um 19 Uhr das Lied: “Der Mond ist aufgegangen” vom/vorm Turm der St. Clemens Kirche. Es fanden sich an jedem Abend Einzelne, die auf Ihrem Spaziergang hier Station machten und mitsangen. Mit diesem kleinen Abendritual konnten wir uns gegenseitig helfen, die Zwangspause von Gemeinschaft durch das Kontaktverbot aufgrund der Corona-Pandemie durchzuhalten. Seit dem 14. Mai singen wir das Lied jeden Donnerstag gegen 19 Uhr gemeinsam vor der Kirche als Abschluss des Gottesdienstes.

Mit den folgenden Dateien können Sie dieses Ritual für sich zu Hause weiter fortführen.

1. Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar. Der Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar.

2. Wie ist die Welt so stille und in der Dämmrung Hülle so traulich und so hold als eine stille Kammer, wo ihr des Tages Jammer verschlafen und vergessen sollt.

3. Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir gestrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn.

4. Wir stolzen Menschenkinder sind eitel arme Sünder und wissen gar nicht viel. Wir spinnen Luftgespinste und suchen viele Künste und kommen weiter von dem Ziel.

5. Gott, lass dein Heil uns schauen, auf nichts Vergänglichs trauen, nicht Eitelkeit uns freun; lass uns einfältig werden und vor dir hier auf Erden wie Kinder fromm und fröhlich sein.

6. Wollst endlich sonder Grämen aus dieser Welt uns nehmen durch einen sanften Tod; und wenn du uns genommen, lass uns in’ Himmel kommen, du unser Herr und unser Gott.

7. So legt euch denn, ihr Brüder, in Gottes Namen nieder; kalt ist der Abendhauch. Verschon uns, Gott, mit Strafen und lass uns ruhig schlafen. Und unsern kranken Nachbarn auch!

Gott segne die Ruhe der Nacht und schenke uns Frieden. AMEN

 

 

Oder Sie können sich zur Erinnerung und für einen EIndruck von der Aktion folgendes Video ansehen:

Aktuelle Veranstaltungen

Informieren Sie sich doch hier über unser spannendes Projekt “ERZÄHLENDE GRABSTEINE AMRUM”