Rückblick auf die Musikalischen Abendfeiern und Gästechorproben im Sommer 2026

Nicht nur zwischen Pfingsten und Erntedank, aber besonders dann ist musikalische Hochsaison in der Kirchengemeinde. Dazu gehören die wöchentlichen Gästechorproben und musikalischen Abendfeiern, die wir auch in diesem Jahr als Friedensgebete gestaltet haben. Zum Anfang der Saison konnten diesmal mehr Amrumer Sängerinnen und Sänger dabei sein – wie schön!

Auf dem Programm für den Gästechor standen Abendlieder und Friedenslieder, viel a-capella-Chormusik, bis hin zum Sommerlied von Max Bruch, dem „Sommarpsalm“ von Waldemar Åhlén und „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ im achtstimmigen Satz von Felix Mendelssohn Bartholdy. Wir haben Lieder von Paul Gerhardt gesungen – wie das bekannte „Geh aus, mein Herz“, und „Zieh ein zu deinen Toren“, in dem vom Geist der Liebe und Freundlichkeit die Rede ist. Auch das Franz von Assisi zugeschriebene Gebet „O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens“ ist erklungen.
Es ist jedes Mal spannend, wie viele Menschen zur Gästechorprobe kommen. Kurz vor Saisonende haben wir einmal zu zehnt gesungen, im Hochsommer kamen aber auch bis zu 60 Chorsängerinnen und -sänger zusammen. Dabei ist der Chor immer bunt gemischt – viele kommen schon lange nach Amrum und singen immer wieder mit, andere sind zum ersten Mal dabei, manche haben überhaupt noch nie in einem Chor gesungen, manche bringen jahrzehntelange Chorerfahrung mit. Und immer bilden wir im Laufe der Probe einen Chor, der gemeinsam Musik macht und so schon eine Friedensbotschaft der Gemeinschaft mit in die Abendfeier bringt.
Jeden Donnerstag haben wir auch mit allen in der Kirche Anwesenden gemeinsam gesungen – immer wieder den achtstimmigen Kanon „Schalom chaverim“ – „Der Friede des Herrn geleite Euch“. Und nicht zuletzt leben die musikalischen Abendfeiern auch von den solistischen Beiträgen. Woche für Woche finden sich musikbegeisterte Menschen, die mit ihrer Stimme oder ihren Instrumenten mitwirken und die Abendfeier mit Musik und besonderen Momenten füllen. Und so sagen wir herzlichen Dank an alle, die in diesem Jahr dabei waren und die Andachten mitgefeiert, musikalisch bereichert und die Zuhörenden begeistert haben. Wir wünschen Ihnen und Euch Gottes Segen und Frieden – bis wir uns wiedersehen.

MUSIKALISCHE ABENDFEIER
Zwischen Pfingsten und Erntedank lädt die St.-Clemens-Kirchengemeinde zu einer besonderen Andacht am Donnerstagabend ein. Dort treffen sich Musiker und Musikerinnen, Sänger und Sängerinnen, jede Woche kommt eine neue Besetzung aus Musikfreunden zusammen um die Abendfeiern zu gestalten und zu bereichern.

Dies hat lange Tradition: Der Ursprung der Andachten findet sich in einem Treffen von Jugendlichen zu einer Bibelwoche unter Leitung von Pastor Erich Pörksen im Jahr 1935. Dort wurde gesungen und gebetet und die Kinder lernten ihren Glauben kennen. Man saß bei schönem Wetter im Garten und hatte denn manches Mal auch diverse „Zaungäste“. Bald wurden diese Zusammenkünfte durch die damaligen Parteifunktionäre untersagt, man musste sich zurückziehen in die geschützten vier Wände des Pastorates und der Kirche. Hier konnte man einen guten Gedankenaustausch der damaligen Bekennenden Kirche pflegen, zu der sich auch Pastor Pörksen zugehörig fühlte. Da alle Predigten des Geistlichen durch Spitzel der Partei mitgeschrieben wurden, boten die Abendfeiern bald die einzige Möglichkeit, der freien, wenn auch kurzen Predigt. Damit der Rahmen nicht zu feierlich wirkte, wurde die Glocke nicht geläutet, sondern nur gebeiert. Dies tun wir heute nur zu Aussegnung und Trauerfeier. Damals war es als Tarnung gedacht und zeigte daher an, dass es sich um eine „private“ Andacht handelte.

Die wesentlichen Merkmale der Anfänge haben sich erhalten und erinnern und heute an diese schwierigen Zeiten und die möglichen Wege: Stets wurden in der Kirche alle Kerzen entzündet und Musiker bereicherten die Abendfeiern und machten sie somit zu „Musikalischen Abendfeiern“. Der liturgische Ablauf mit vielen Antwortgesängen ist ebenfalls unverändert geblieben und schaffte so einen festen Rahmen.

Nach der Rückkehr des Pastors aus Krieg und Gefangenenlager wurden ab 1948 die Musikalischen Abendfeiern wieder aufgenommen, jetzt auch manchmal mit einem Chor aus Kurgästen, wohl unter Leitung der Organistin Else Lorenzen oder erfahrener Urlauber. Solisten, sowohl namhafte Künstler wie Erich Mirsch-Riccius, Dr. Werner Schwarz oder Hermann Prey als auch versierte Laien bereichern seither die Andachten.

Bis heute sind dankenswerter Weise viele Musiker und Musikerinnen bereit, ehrenamtlich und mit viel Freude ihr Können zu zeigen und damit einen wichtigen Beitrag zu leisten für diese große Einmaligkeit, die wir jede Woche immer wieder erleben dürfen. Bestimmte Bibelabschnitte oder Textreihen bieten seit einigen Jahren einen roten Faden durch all die Donnerstagabende der Saison. Die Musik kommt spontan dazu: im Gästechor sammeln sich zur Probe Sängerinnen und Sänger, viele zum ersten Mal, andere schon seit langer Zeit immer wieder. Die Besetzung entsteht vor Ort, die Literaturauswahl muss stets für verschiedene Stimmenzusammensetzungen zugänglich sein. Nach nur einer Probe singt der Gästechor dann zum Beginn und Abschluss der Musikalischen Abendfeiern, das Repertoire reicht von kleinen dreistimmigen Haydn- oder Mozartsätzen bis hin zum sechs- oder achtstimmigen Mendelssohn-Satz. Die Beiträge der Musiker reihen sich ein in den liturgischen Rahmen mit Psalm, Gebet, Text, Ansprache, Vater unser und Segen. 

Informieren Sie sich doch hier über unser spannendes Projekt „ERZÄHLENDE GRABSTEINE AMRUM“